Das Babypinkeln oder auch Babybier, Pullerbier, Kindsbier, Kindpinkeln, Kinderpinkeln, Pissparty, Kindsbrunzen, Pinkelparty, Füßle baden, Pullerparty, Babyparty, Babypullern und Rumpelschnaps ist ein Brauch, der seinen Ursprung in Norddeutschland hat. Von hier gelang der Brauch in viele Teile Deutschlands.
Der feierliche Anlass für diese gesellige Veranstaltung ist die Geburt eines Kindes. Man feiert das Babypinkeln meist im engen Verwandten- und Freundeskreis. Auch die Nachbarn werden meist eingeladen.
Der Beitrag ist ursprünglich vom 11. März 2019 und wurde am 30.04.2023 überarbeitet.
Überlieferung Babypinkeln
Symbolisch soll der feierliche Umtrunk dem Baby beim ersten Wasserlassen helfen. Durch den Verzehr der Getränke soll dem Baby ein schmerzfreies erstes Urinieren ermöglicht werden.
Eine andere Überlieferung besagt, das derjenige zum ewigen Glückspilz wird, der beim Begutachten des gehaltenen nacktem Säuglings angepinkelt wird.
Brauch Babypinkeln
Je nach Region gibt es unterschiedliche Bräuche des Babypinkelns. Meist lädt der Vater Freunde und Verwandte ein, während die Mutter mit dem Säugling noch im Krankenhauses liegt. Oder die Feier wird später ausgerichtet. So kann auch die Mutter an der Feier teilnehmen. Auf jeden Fall findet die Feier vor der Taufe statt.
Ort der Veranstaltung ist meist das Elternhaus. Aber mancherorts ist es sogar üblich, die Gesellschaft in ein Gasthaus einzuladen.
Auf die Feier wird meist durch das Raushängen eines Bettlakens oder einer Fahne aus dem Fenster aufmerksam gemacht. So sind Freunde und Nachbarn informiert und eine weitere Einladung wird nicht benötigt.
In manchen Regionen sorgen Freunde und Verwandte für die Speisen und Getränke.
Das Babypinkeln kann auch ein Fest sein, bei dem sich eingeladene Paare das Jawort zum eigenen Kind geben.
Regionales Brauchtum Babypinkeln
In Ostfriesland wird zum Kindskiek eingeladen. Das ist plattdeutsch. Zur Geburt wird den geladenen Freunden, Verwandten und Nachbarn eine Bohntjesopp gereicht. Auch bekannt unten dem Namen friesische Bohnensuppe. Eine aus Branntwein, Rosinen und Zucker angesetzte Spezialität.
Brunsbier, Sächbier oder Pischbier nennt man das Babypinkeln in Thüringen und Teilen Oberfrankens. In Südfranken heißt es häufig Pischbier oder Plüschbier. Hier feiert der Vater direkt nach der Geburt mit männlichen Freunden und Verwandten. Getrunken wird Bier. Regional ist es aber auch üblich den Kollegen auf der Arbeit Schnaps, Bier oder Sekt auszugeben.
Auch im Ruhrgebiet und am Niederrhein feiert der Vater kurz nach der Geburt mit seinen männlichen Freunden und Verwandten.

Baasche wäsche und Pullerschnaps
Baasche wäsche oder Baasche nass mache nennt sich dieses Brauchtum in Südhessen. Auf Hochdeutsch „Beinchen waschen“ oder „Beinchen nass machen“. Auch in Südhessen feiert der Vater nur mit seinen männlichen Freunden.
Die Nordhessen nennen diesen Brauch Pullerschnaps oder Pullerschoppen. Hier feiert man die Geburt des Kindes mit kurzen, klaren Schnäpsen. Im Hunsrück lädt der Vater zur Pissparty.
Die Oberbayern nennen diesen Brauch „Kindsbier“. Während die Mutter mit dem Baby im Krankenhaus liegt, feiert der Vater mit seinem männlichen Freundeskreis und stößt auf die Geburt des Kindes mit reichlich Bier an.

Bäumchenstellen im Westerwald
Bäumchenstellen nennt sich dieser Brauch im westlichen Hintertaunus, im Westerwald und im Kreis Limburg-Weilburg. Einige Wochen nach der Geburt stellen Freunde, Verwandte, Arbeitskollegen und Nachbarn vor dem Haus der jungen Familie Bäumchen auf. In den Dörfern wird meist öffentlich geladen. Alle sind willkommen, die sich der Familie oder dem Baby verbunden fühlen. Die Bäumchen sind mit alter Babybekleidung geschmückt. Auch gebrauchtes Spielzeug wird an den Baum gehängt. Alternativ werden auch Wäscheleinen gespannt. Plaketten mit Willkommensbotschaften werden aufgestellt. So wird das Baby symbolisch in die Dorfgemeinschaft eingeführt.
Füssle baden
Die Schwaben feiern die Geburt des Kindes mit viel Alkohol. Dort heißt der Brauch „Füssle baden“. Denn wer selbst gut pinkeln kann, hilft auch dem Kind beim selbigem.
Traditionell rein männlich geht es im Saarland zu. Das Babypinkeln heißt dort „es Koppwäsche“. Hochdeutsch Kopf waschen oder ersten Haarwäsche des Babys.
Kilmern, eine nordwestdeutsche Tradition
Auch eine besondere Form des Babypinkeln ist das Kilmern bzw. Kilbern. Ein Brauchtum aus dem nordwestdeutschen Raum. Hier wird ein Kilmerstuten (eine traditionelle Art von Brot) auf einer Holzleiter abgelegt und das 5 bis 7 kg schwere Brot wird den Eltern zu Ehren des Kindes in das Elternhaus getragen. Dies geschieht innerhalb des ersten Lebensjahres. Zu dieser geselligen Veranstaltung treffen sich meist Vereine, Arbeitskollegen und Freunde. Getragen wird die Holzleiter von vier Personen. Die Teilnehmer befolgen eine traditionelle Kleiderordnung. Meist schwarze Hosen, weißes Hemd, Zylinder oder Filzhut. Je nach Geschlecht wird ein farbiges Halstuch getragen. Junge blau und Mädchen rot.
Mit dem Schnapsglas um den Hals
Die Laufstrecke führt entweder an Gastwirtschaften (hier übernehmen meist die Kindseltern die Zeche) vorbei oder durch die Nachbarschaft. Man klingelt an jedem Haus, singt ein Lied (mit Kindsnamen abgewandelte Schlager oder bekannte Melodien) und erhält als Dank einen Schluck von einer meist lokalen Spirituose. Das Schnapsglas trägt man traditionell um den Hals. Nach dem Umzug klingt der Abend feuchtfröhlich bei den Kindseltern aus.
In machen Regionen richtet sich die Länge des Kilmerstutens nach der Anzahl der Kinder. Beim ersten Kind ist er einen Meter lang, beim zweiten Kind zwei Meter, usw. In einigen Regionen heißt der Kilmerstuten auch Weggen.

Babyparty weltweit
Immer beliebter, auch in Deutschland, wird die traditionell us–amerikanische Babyparty. Dort heißt sie Baby shower. Hier findet die Babyparty zwei Monate vor der errechneten Geburt statt. Eingeladen werden die Freundinnen und weiblichen Verwandten der werdenden Eltern. Es nehmen aber auch Männer teil. Um die Mutter zu entlasten, übernimmt eine Freundin den größten Teil der Organisation und lädt ein. In den USA haben sich auch viele Agenturen der Organisation gewidmet.
Die Räumlichkeiten der Party werden mit Hinweisen auf das Kind dekoriert. Blaue und rosa Ballons und Namensgirlanden schmücken die Räume. Die Mutter trinkt alkoholfreie Getränke, den Gästen reicht man gerne Sekt, Prosecco oder Champagner. Auch kleine Snacks und gesundes Obst und Gemüse werden gereicht. Gerne werden Spiele gespielt. Es dreht sich bei den Spielen um die Themen Baby, Mutterschaft und Stillen. Meist tritt man in Zweierwettbewerben gegeneinander an. Wer legt einer Puppe am schnellsten eine Windel an oder trinkt eine Babyflasche mit Milch am schnellsten aus.
Der angehenden Mutter werden kleine Geschenke gemacht. Zum Beispiel Windeln oder Gutscheine für Babysitterstunden.
Zum Abschied erhalten die Gäste kleine Gastgeschenke.
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